Von Georges Scherrer Am

In Meldungen aus der Schweiz

Zürich, 5.6.15 (kath.ch) Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Markus Büchel, vertraut darauf, dass Bischof Jean-Marie Lovey auch die kritischen Anfragen der Schweizer Katholiken als Delegierter der SBK in der kommenden Weltbischofssynode einbringt. Das sagte Büchel am Freitag, 5. Juni, gegenüber kath.ch. Die Schweizer Bischöfe gehen im Vorfeld zur Weltbischofssynode über Ehe und Familie im Oktober in Rom zudem bei einem internen Treffen noch einmal über die Bücher.

An einem Studientag am 31. August wollen sie gemäss SBK-Communiqué von Freitag der Frage nachgehen, warum sich viele Katholiken in der Schweiz in Fragen der Partnerschaft von ihrer Kirche distanzieren.

Die Schweizer Bischöfe werden dafür sorgen, dass alle Rückmeldungen, welche die Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz Anfang Jahr zusammentrug, in die kommende Bischofssynode einfliessen, versicherte der St. Galler Bischof Markus Büchel gegenüber kath.ch. Die Schweizer Katholiken fordern von ihrer Kirche eine ganz neue Ehetheologie, die bei den «Sehnsüchten und Erfahrungen» der Menschen ansetzt.

«Ich habe das Vertrauen, dass Bischof Jean-Marie Lovey die Umfrageergebnisse in Rom einfliessen lässt», sagte Büchel. Lovey stehe in Rom vor einer schwierigen Situation. Denn er müsse für die gesamte Bandbreite der Schweizer Katholiken einstehen. «Ich habe in den Gesprächen Anfang Jahr selber verfolgen können, wie die Positionen in der Ehepastoral bei den Schweizer Katholiken auseinander gehen. Es gibt keine einheitliche Meinung», sagte Büchel.

Wirbel um Äusserungen Loveys

Aufsehen erregten diese Woche Äusserungen des Walliser Bischofs Lovey. Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung erklärte er auf die Frage, ob er sich als «Advokat» der Mehrheit der Schweizer Katholiken verstehe, er gehe «nicht als Delegierter einer bestimmten Gruppe nach Rom». Die Katholiken seien «nicht nur jene, die an den Befragungen teilnahmen». Die Kirche müsse alle Gläubigen «im Augen haben, nicht nur jene, die einen Weg ausserhalb der Norm gewählt haben».

Man dürfe zudem nicht vergessen, dass sich die Synode nicht nur mit den Problemen der Schweizer Katholiken zu befassen habe. In anderen Kontinenten stünden andere Herausforderungen im Vordergrund, etwa die Armut in Südamerika oder die Polygamie in Afrika. Aus diesen Worten lässt sich für kirchliche Beobachter schliessen, dass in Rom die Anliegen, welche in der Schweiz brennend sind, für viele Länder und Bischofskonferenzen sekundär bis unwichtig sein könnten.

Büchel vertraut auf Gespräche mit Allianz «Es reicht!»

Eine andere Position als Bischof Lovey vertritt die Allianz «Es reicht!». Dieser Zusammenschluss verschiedener katholischer Verbände, Vereine und Bewegungen setzt sich für eine grundlegende Reform der Kirche ein. Die Bischöfe besprachen am 1. Juni mit einer Delegation der Allianz, die «grossen Spannungen zwischen der kirchlichen Lehre und Lebenswirklichkeit vieler Menschen», teilt die Schweizer Bischofskonferenz mit. Auf Allianz-Seite waren der Schweizerische Katholische Frauenbund, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Schweiz, das Kolping-Werk und die Pfarrei-Initiative vertreten. Beide Seiten hätten nach dem Treffen «grosse Gesprächs- und Dialogbereitschaft» gezeigt, teilt die SBK mit.

Der Präsident der SBK nahm ebenfalls am Gespräch teil. Nach dem Gespräch blickt er zuversichtlich in die Zukunft, auch wenn die Fragen, die vorgelegt wurden, sehr komplex sind. «Ich habe gespürt, dass es für die Menschen in der Schweiz heute immer schwieriger wird, aufgrund ihres Glaubensbewusstseins und der Lebensrealität die kirchliche Lehre zu akzeptieren», sagte er gegenüber kath.ch. Viele der aufgeworfenen, kritischen Anfragen würden zentrale Punkte der Lehre betreffen und könnten nicht auf nationaler Ebene gelöst werden. Sie seien aber auch zentrale Themen der kommenden Synode. Das Treffen mit der Delegation der Allianz «Es reicht!» habe aber auch gezeigt, dass beide Seiten gemeinsam nach dem Weg suchen und im Gespräch bleiben wollen, so Büchel. (gs)

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