Von Regula Pfeifer Am

In Meldungen aus der Schweiz

St. Gallen, 5.11.15 (kath.ch) Die Bischofssynode habe mit ihrem Abschlussbericht das Gewissen der Menschen als zentrale Richtschnur menschlicher Entscheidungen anerkannt. Das sei neu im Vergleich zum Arbeitspapier, findfet der St. Galler Bischof Markus Büchel in seinem Schreiben zur am 24. Oktober beeendeten Weltbischofsynode auf der Bistums-Homepage (4. November). Büchel ist amtierender Präsident der Bischofskonferenz und hatte sich als Delegierter der Schweizer Bischofskonferenz an der vorbereitenden Synode in Rom im Herbst 2014 beteiligt.

Der Synode sei ein realistischer Blick auf die Lage der Familie in der heutigen Zeit gelungen, schreibt Bischof Büchel in seiner Stellungnahme. Dabei seien nicht nur Probleme benannt, sondern auch Hoffnung geäussert worden. Insbesondere wurde dabei das Gewissen der Menschen, «nach katholischer Lehre die höchste Instanz», so Büchel, «aus dem Vergessen geholt und als zentrale Richtschnur menschlicher Entscheidungen anerkannt worden. Im Arbeitspapier für die Synode sei das Gewissen gar nicht in Betracht gezogen worden, so Büchel.

Auch sonst sei eine andere Haltung aus dem Schlussdokument spürbar, meint Bischof Markus im aktuellen Schreiben. «In einer neuen, vertrauensvollen Sprache wird den Familien endlich etwas zugetraut und ihre alltägliche Spiritualität anerkannt.» Zudem ist dem Bischof aufgefallen, dass in Zusammenhang mit Familie erstmals von «Berufung» gesprochen wurde. Damit werde ein Begriff verwendet, der bisher Priestern und Ordensleuten vorbehalten war, stellt Büchel fest. Bei den vorsynodalen Umfragen in der Schweiz waren die Sprache der Kirche und die daraus gelesene Haltung mehrfach kritisiert worden.

Bestätigung der Praxis im Bistum St. Gallen

Positiv vermerkte Büchel zudem, dass der «Wegcharakter der Pastoral» an verschiedenen Stellen des Schlussdokuments betont werde. Damit werde gesagt, dass Begleitung und Seelsorge nicht als Konfrontation mit der reinen Lehre praktiziert werden solle, sondern ein Ort der Barmherzigkeit und der Vergebung, des Zuhörens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit werden solle. Diese Aussage versteht Büchel als Bestätigung der Familien- und Partnerschaftspastoral, die im Bistum St. Gallen eine lange Tradition habe.

Logik der Integration

Auch den vielfach kritisierten Punkten des Schlussdokuments kann der St. Galler Bischof Positives abgewinnen. Das Thema Homosexualität sei zwar für viele unzureichend behandelt worden, aber immerhin gebe es dazu keine negative oder diskriminierende Aussage. Insgesamt gehe der Schlussbericht von einer «Logik der Integration “ aus, im Sinne: Die Getauften gehören zur Kirche. Diese Haltung sei nun auch ein Schlüssel in der pastoralen Begleitung von wiederverheirateten Geschiedenen. Die Kirche müsse jetzt klären, wie diese Menschen in die Kirche integriert werden könnten, so Büchel. (rp)

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