Martin Spilker

Von Martin Spilker Am

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Zürich, 23.10.15 (kath.ch) Am Sonntag wird im Vatikan die Bischofssynode über die Familie mit einem feierlichen Gottesdienst abgeschlossen. Wieviel dann über die Ergebnisse der Beratungen bekannt gegeben wird, ist schwer abzuschätzen. Die Erwartungen sind bestimmt sehr unterschiedlich, aber auf alle Fälle hoch. Ein Kommentar von Martin Spilker.

Drei Wochen lang haben Bischöfe aus aller Welt über Fragen der Familie und Ehe debattiert. Unterstützt wurden sie von verschiedenen Fachleuten, teils auch Nicht-Kirchenprofis. Orchestriert wurde das Ganze durch zahlreiche Wortmeldungen von inner- oder ausserhalb der Synodenaula, die schon vor Abschluss der Versammlung wissen wollten, wie die Ergebnisse lauten werden.

Gegensätzliche Meinungen

Solche Wortmeldungen sind bei grossen Debatten an sich nichts Aussergewöhnliches, schliesslich soll auch hier über die erreichte Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für die eigene Haltung erreicht werden. Entsprechend ist es auch nicht überraschend, dass die geäusserten Meinungen sich konträr gegenüberstehen. Interessant ist jedoch, dass sich manche der inhaltlich doch sehr weit auseinanderstehenden Wortführer auf die gleiche Quelle beziehen. Und diese, was wiederum nicht erstaunt, von allen als einzigartig und massgebend bezeichnet wird: Alle beziehen sich auf Gott.

Dieser Bezug ist richtig und notwendig. Die Frage aber ist, ob es im 21. Jahrhundert selbst in der katholischen Kirche möglich – und nötig – ist, dass in einer lokal, sozial und kulturell dermassen unterschiedlich geprägten Gesellschaftsform wie der Partnerschaft und Familie eine einzige Form als «richtig» bezeichnet wird? Wäre es nicht ein viel stärkeres Zeichen dieser Versammlung, offen anzuerkennen, dass das Zusammenleben von Menschen in einer gegenseitig verbindlich zugesagten partnerschaftlich-familiären Gemeinschaft schon immer sehr unterschiedlich gehandhabt wurde?

Kirchliche Vorschriften anpassen

Gewiss lässt sich auch dann noch darüber streiten, oder im besseren Fall: darum ringen, auf welchen gemeinsamen Nenner man sich einigen will. Machen wir uns nichts vor, kirchliche Gesetze wurden und werden auch in anderen Belangen als in Fragen der Ehe oder Sexualität kritisiert und übertreten Eine fundierte Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart ist die beste Voraussetzung für Veränderungen.

Eine zeitgemässe Sicht auf Fragen der Ehe und Familie wurde von dieser Bischofskonferenz erwartet. Mit dieser Aufgabe wurden die Bischöfe vergangenes Jahr nach Hause geschickt. Nun wurde in der dreiwöchigen Debatte – mit allen Miss- und Nebentönen – auch eine die vielfältige Wirklichkeit von Ehe und Familie in dieser Welt entsprechende Analyse verlangt. Und jetzt wird zu Recht eine zeitgemässe Antwort aus der Synode und vom Papst auf die gelebte Vielfalt von Familienformen erwartet.

Resultat bringt Ärger und Freude

Wie immer diese Antwort auf grosse Herausforderungen in der Seelsorge ausfällt, sie wird sowohl Freude wie Ärger bereiten. Das gehört zu solchen Debatten, auch in der Kirche. Und es wird auch zu Konsequenzen führen. Denn es wäre doch sehr schwer verständlich, ja unglaubwürdig, wenn die in Vertretung ihrer Ortskirchen versammelten Bischöfe nach drei Wochen Auseinandersetzung mit der «Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute» alles beim Alten belassen würden. (ms)