Norman Zöllner

Von Norman Zöllner Am

In Meldungen aus der Schweiz

Zürich, 8.4.16 (kath.ch) Papst Franziskus schlägt mit seinem Apostolischen Schreiben «Amoris laetitia» (Die Freude der Liebe) eine Brücke zwischen Ideal und Wirklichkeit und stösst damit die überfällige Überwindung der Kluft zwischen lehramtlicher Idealvorstellung und gelebter Alltagsrealität an, schreibt der Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus, Josef Annen, zum neuen Vatikan-Dokument.

Die «allermeisten Seelsorger und Seelsorgerinnen in unseren Pfarreien» hätten in den vergangenen Jahren aus eigener Verantwortung gehandelt und Menschen in schwierigen Lebenssituationen neue Perspektiven für ein Leben aus dem Glauben und mit der Kirche eröffnet, schreibt der Generalvikar. Sie mussten oft im «Halbschatten der kirchenrechtlichen Illegalität» nach pastoralen Lösungen suchen. «Diese Zeit ist vorbei. Das ist für mich Grund zur Freude», schreibt der Generalvikar.

Der Papst sehe sowohl die zahllosen Unterschiede der konkreten Familiensituationen wie auch die sehr unterschiedlichen Situationen von Geschiedenen, die in einer neuen Verbindung lebten. Er verabschiede sich von Patentrezepten und allgemeinen Regelungen und ermutige «zu einer verantwortungsvollen, persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle».

Sakramente: differenzierter Umgang

Aufgabe der Kirche sei es, diesen Menschen Gottes Liebe und Barmherzigkeit zuzusprechen, nicht zu verurteilen, sondern zu integrieren und zu helfen. Die Hilfe der Sakramente sei dabei in gewissen Situationen nicht ausgeschlossen. Annen verweist auf das Papstschreiben, wo es heisst: «Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation sie sich auch immer befinden.» Auch Menschen mit homosexueller Orientierung seien in die Weisungen zu einem differenzierten Umgang mit Situation einbegriffen.

Die Debatten der Bischofssynoden haben offenbar Wirkung, schreibt der Informationsbeauftragte des Generalvikariats, Arnold Landtwing, in einem Kommentar. Die dadurch ausgelöste Dynamik führt dazu, dass mit wertschätzender und respektvoller Haltung diverse Anliegen und Sorgen aufgenommen wurden und die Notwendigkeit der Entwicklung neuer pastoraler Methoden ins Auge gefasst werde.