Rom, 14.10.15 (kath.ch) Dass sich das Medieninteresse an der Bischofssynode über Ehe und Familie derzeit vor allem auf das Verwirrspiel um einen Beschwerdebrief konzentriert, den angeblich einige Kardinäle an den Papst geschrieben haben sollen, hat viele Gründe. Einer davon könnte sein, dass die Erwartungen an die Synode ungemein hoch sind, es jedoch kaum möglich ist, sich ein zusammenhängendes Bild davon zu machen, was hier eigentlich passiert.
Thomas Jansen
Die Schwierigkeit, kontinuierlich über das Vorankommen der inhaltlichen Diskussion an der Synode berichten zu können, liegt an der Arbeitsweise der Bischofsversammlung, aber auch an ihrer Informationspolitik. Unter den Berichterstattern in Rom ist in diesen Tagen bisweilen Unmut darüber spürbar. Massive Kritik, wie bei der Familiensynode im vorigen Herbst, gibt es einstweilen allerdings noch nicht.
Rekonstruktion der Beiträge kaum möglich
Das erste Problem: Den Verlauf der Diskussion zu rekonstruieren, ist nahezu unmöglich. Denn die Redebeiträge der Teilnehmer werden – wie bereits im Vorjahr, abweichend von der traditionellen Praxis der Bischofssynode – nicht veröffentlicht. Nach dem Willen von Papst Franziskus soll die Bischofssynode ein «geschützter Raum» sein, in dem der Heilige Geist wirken kann. Jeder Teilnehmer soll sich freimütig äussern können. Ihm ist es allerdings freigestellt, seine eigenen Äusserungen selbst zu veröffentlichten. Von dieser Möglichkeit haben bereits mehrere Synodenväter Gebrauch gemacht. Die Wortmeldung des Berliner Erzbischofs Heiner Koch etwa publizierte die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Internetseite. Doch das sind nur einzelne Mosaiksteine.
Hinzu kommt die veränderte Arbeitsweise der Synode: In diesem Jahr wird sehr viel mehr in Arbeitsgruppen debattiert. Insgesamt 40 Stunden verbringen die Teilnehmer in einem der 13 Sprachzirkel. Das erschwert einen Gesamtüberblick zusätzlich.
Sprachverwirrung im päpstlichen Presseamt
Das zweite Problem: Die tägliche Pressekonferenz mit dem Leiter des vatikanischen Presseamtes Federico Lombardi und weiteren Sprechern der Synode gibt immer nur einen Überblick, über die Themen die angesprochen wurden. Redebeiträge namentlich zuordnen dürfen die Sprecher nicht. Verwirrend wirkt bisweilen, dass sie in ihren Zusammenfassungen in verschiedenen Sprachen bisweilen nicht unbeträchtlich voneinander abweichen. Ausserdem sind die Informationen gefiltert.
Als Papst Franziskus sich am Dienstag, 13. Oktober, vor der Bischofssynode überraschend zu Wort meldete, teilte Lombardi zunächst nicht alle Inhalte von dessen kurzer Ansprache mit. Dass der Papst die Synodenteilnehmer auch davor gewarnt hatte, sich nicht in Verschwörungstheorien zu ergehen, erfuhr die Öffentlichkeit erst durch eine Twitter-Botschaft des Jesuiten Antonio Spadaro, einem Teilnehmer der Synode.
Bei der Synode im vergangenen Jahr war anfangs kritisiert worden, dass die Synodenteilnehmer, die bei den vatikanischen Pressekonferenzen auftreten, nicht ausgewogen ausgewählt seien. Konkret lautete der Vorwurf damals, konservative Bischöfe und Kardinäle seien unterrepräsentiert. Ein derartiger Vorwurf wurde in diesem Jahr noch nicht laut geäussert. Das Verfahren ist allerdings gleich geblieben: Nicht die Synode selbst, sondern der Leiter des vatikanischen Presseamtes und die übrigen Sprecher der Synode wählen die Kandidaten aus, die täglich den Journalisten berichten.
Neue Medien werden immer wichtiger
Umso wichtiger sind diesmal neuen Medien: Die Teilnehmer selbst dürfen sogar aus der Synodenaula oder der Arbeitsgruppe twittern, allerdings keine Inhalte. Ausserhalb der Beratungen gilt auch für sie die Regel: Redebeiträge dürfen nicht namentlich zugeordnet werden. Die polnische Bischofskonferenz hielt sich nicht an diesen Grundsatz und veröffentlichte auf ihrer Internetseite Zusammenfassungen von namentlich gekennzeichneten Wortmeldungen. Daraufhin ermahnte der Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, die polnischen Teilnehmer vor dem Plenum.
Eine wichtige Informationsquelle für die Synode sind Blogs. Ihre Bedeutung hat gegenüber der Bischofsversammlung im vorigen Herbst nach Einschätzung eines Synodensprechers zugenommen. Unter den deutschsprachigen Teilnehmern führt Beneditkinerabt Jeremias Schröder ein Synoden-Tagebuch im Internet. Und schliesslich gibt es noch das Interview. Vatikansprecher Lombardi hatte ausdrücklich dazu ermuntert. Wenn ein Synodenteilnehmer ablehne, sollten die Journalisten nachhaken und nach dem Grund fragen… (cic)
Die Bischofssynode auf der Internetseite des Presseamt des Heiligen Stuhls