Rom, 17.10.15 (kath.ch) Eine Rückbesinnung der katholischen Kirche auf ihre missionarischen Anfänge hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am Samstag, 17. Oktober, im Vatikan gefordert. kath.ch dokumentiert Teile seiner auf Italienisch gehaltenen Rede beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Bischofssynode in der vatikanischen Übersetzung.
(…) Synodalität heisst «gemeinsam auf dem Weg sein». Wer gemeinsam auf dem Weg ist, braucht ein klares Ziel. Methode kommt von Methodos: «Weg zu etwas hin». Soll der Synodos gelingen, ist der methodos ganz entscheidend. Die Debatten über die Methode der Synode sind keine nebensächlichen Fragen der Organisation. Sie bestimmen sehr prägend mit, ob der Synodos zum Ziel führt.(…)
Um dieses Ineinander von synodos und methodos zu bedenken, schlage ich vor, auf die «Ursynode», das Urmodell der Synode zu blicken, auf das sogenannte «Apostelkonzil» von Jerusalem. Mir scheint nämlich gerade die Methode, die damals angewandt wurde, für den weiteren Weg der Bischofssynode wegweisend zu sein. Und wir können durchaus im Rückblick sagen: diese erste Synode war so erfolgreich, dass wir heute noch von ihren Früchten leben.
Dramatischer Konflikt
Alles begann mit einem dramatischen Konflikt: «Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden» (Apg 15,1). Das war keine harmlose Sache. Es ging um Heil oder Unheil. Es ging ums Ganze des christlichen Weges. Nicht nur um die Lehre, sondern ums Leben. (…)
Der Konflikt um den Weg der Heidenchristen zeigt etwas ganz Wichtiges: Er wurde ausgesprochen. Er wurde offen benannt und offen ausgetragen.(…) Papst Franziskus ermutigt uns, die Auseinandersetzungen nicht zu fürchten, sie als dieses «movimento degli spiriti» zu leben, als die treibende Kraft, die die Unterscheidung der Geister reifen lässt und die Herzen bereitet, das zu erkennen, was der Herr selber uns sagt, ja was er schon entschieden hat (vgl. Apg 15,7), was wir aber noch durch Gebet und durch die Mühen unserer Auseinandersetzung erkennen müssen.(…)
Erzählen
Die theologische Debatte ist wichtig und unerlässlich. Es gehört zum synodos, den Papst Franziskus begonnen hat, indem er das Thema «Ehe und Familie» gewählt hat, dass eine intensive theologische Debatte in der ganzen Kirche ausgelöst wurde. Ich sehe darin einen echten Gewinn für die «organische Entwicklung» der Lehre der Kirche. (…) Dass diese theologischen Debatten bisweilen auch mit einiger Verbissenheit, ja Verbitterung und nicht immer im Geist des aufeinander-Hörens und des sich-Bemühens, den anderen in seinen Anliegen zu verstehen, geführt wurden und auch heute noch werden, gehört zu den klassischen Versuchungen, von denen Papst Franziskus am Schluss der ausserordentlichen Sitzung der Synode gesprochen hat.
Die Urkirche hat aber eine andere Methode verwendet, um zu einer Entscheidung zu finden, um den Konflikt zu lösen. (…) Sie erzählten! Sie gaben keine theologische Abhandlung. Sie haben nicht abstrakt theoretisiert über das Heil der Heiden, sondern sie legten dar, was sie «gesehen und gehört» haben (vgl. Apg 4,20). (…) Im Hören auf beide, die Schrift und die Erfahrung, erkennt die Versammlung den Weg und den Willen Gottes. So kommt es zum gemeinsamen Beschluss «der Apostel und der Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde» (…)
Glauben bezeugen
Der Erfolg der Institution «Bischofssynode» wird vor allem daran zu messen sein, ob sie «das Leben der Kirche und seinen missionarischen Geist» fördert. (…) Seit fünfzig Jahren wurde immer wieder die Frage gestellt, ob die Synode nicht nur ein «voto consultativo» (beratende Stimme) haben sollte, sondern auch ein «voto deliberativo» (entscheidende Stimme). Papst Franziskus hat immer wieder betont, die Synode sei kein Parlament. Sie sei anderer Natur.
Der selige Papst Paul VI. hat die Bischofssynode als ein neues beratendes Organ auf der Ebene der ganzen Weltkirche eingesetzt. (…) Diese Vertretung (…) ist nach dem Prinzip der Gemeinschaft und des Glaubens bestimmt. Nun kann aber der Glaube nicht repräsentiert, sondern nur bezeugt werden.
Weniger abstrakt reden
Genau das aber geschah damals in Jerusalem. Die Apostel haben Zeugnis gegeben von dem, was sie gesehen und gehört haben. Wenn ich einen Wunsch an den zukünftigen Weg der Bischofssynode äussern darf: Bitte nehmen wir Mass am Apostelkonzil! Reden wir weniger abstrakt und distanziert. Bezeugen wir einander, was der Herr uns zeigt und wie wir sein Wirken erfahren. (…) Wir bleiben allzu oft in der Theorie, im «man sollte» und «man müsste», kaum einmal reden wir persönlich von unseren Missionserfahrungen. Darauf aber warten unsere Gläubigen! (…)
Auch dort, wo abgestimmt wird (wie am Ende jeder Synode), geht es nicht um Machtkämpfe, Parteibildungen (über die die Medien dann gerne berichten), sondern um diesen gemeinschaftlichen Prozess zur Bildung eines Urteils, wie wir es in Jerusalem gesehen haben. Im Ende kommt, so hoffen wir, nicht ein politischer Kompromiss heraus, auf einem niedrigen gemeinsamen Nenner, sondern dieser «Mehr-Wert», den der Heilige Geist schenkt, sodass es am Schluss heissen kann: «Der Heilige Geist und wir haben beschlossen» (Apg 15,28). (…) (cic)