Martin Max

Von Martin Max Am

In Meldungen aus der Schweiz

Einsiedeln SZ, 8.4.16 (kath.ch)  Papst Franziskus bleibt sich in seinem postsynodalen Schreiben «Amoris Laetitia» treu, schreibt der Abt von Einsiedeln, Urban Federer, über das am Freitag, 8. April, veröffentlichte Schreiben. Über die Bischofssynoden zu Ehe und Familie wollte der Papst Debatten ermöglichen. Nun spreche er nicht ein päpstliches Machtwort. Vielmehr gebe er an vielen Stellen die Voten dieser Synoden wieder.

Inhaltlich streiche das Schreiben an vielen Stellen das Schöne der Liebe in der Familie heraus, schreibt der Abt in seinem online-Kommentar auf der Site des Klosters Einsiedeln. Der Papst halte das Ideal einer verlässlichen Partnerschaft für das Wachsen in der Liebe hoch. Wer aber in dieser Perspektive bei der Lektüre vor allem jene Stichwörter suche, die für Probleme in den verschiedenen Weltgegenden stehen, erfahre gegenüber den Abschlussberichten der Synoden zuerst einmal nicht viel Neues. Der Text gebe den Aussagen der Synoden-Teilnehmenden und der Lehre viel Raum.

Künftig müsse die Kirche den pastoralen Blick auf den Menschen richten. Papst Franziskus sehe nicht nur das Ideal, sondern auch den Alltag und die konkreten Sorgen von Familien und Menschen in Partnerschaften. Vor allem die Hirten der Kirche – Priester, aber auch Laien, die ihr Leben dem Herrn geschenkt haben – würden vom päpstlichen Schreiben an vielen Stellen direkt angesprochen und herausgefordert.

Keine Ausführungsbeamten

Die ihnen übertragene Verantwortung sei viel grösser, als dies in lehramtlichen Texten bisher der Fall gewesen sei. Sie würden nicht als Ausführungsbeamte der kirchlichen Lehre angesehen, sondern als eigenverantwortliche Menschen, die im Licht des Glaubens andere Menschen begleiten. Der Papst erlasse dazu keine Normen, weil er keine Kasuistik wünsche.

Aber nicht nur die Hirten der Kirche werden in päpstlichen Schreiben angesprochen, sondern auch die einzelnen Gläubigen. Sie sollen sich in ihren komplexen Lebenssituationen begleiten lassen und ihrem Gewissen folgen. Selbstkritisch sage der Papst dazu an die Adresse der Kirche: «Wir tun uns ebenfalls schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen.» (gs)