Von Andrea Krogmann Am

In Berichte aus dem Vatikan

Rom, 24.10.15 (kath.ch) Auf einen neuen Elan für die Schweizer Kirche hofft der Sittener Bischof Jean-Marie Lovey. Die Familiensynode werde «eine neue christliche Dynamik und Hoffnung» bringen, sagte der Schweizer Synodenvertreter am Samstag, 24. Oktober, vor Medien im Vatikan. Gleichzeitig sei er sich bewusst, dass das Abschlusspapier, dessen Veröffentlichung Vatikansprecher Federico Lombardi für Samstagabend in Aussicht stellte, die teils hohen Erwartungen der Schweizer Katholiken enttäuschen werde, so Lovey auf Anfrage von kath.ch.

Andrea Krogmann

Einer der «roten Fäden» des Abschlusspapiers ist nach Worten Loveys «die pastorale Sorge um die Begleitung von Familien ungeachtet ihrer Zusammensetzung». Familie werde in sehr unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Realitäten gelebt, als deren einender Punkt die Idee der Geschwisterlichkeit und eines gemeinsamen Wegs stehen könnte.

Wiederverheiratete Geschiedene: «gewisse Offenheit» für Ortsbischof

In der Schweiz habe es insbesondere im Blick auf die Fragen der Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener und des Umgangs mit Homosexuellen hohe Erwartungen gegeben, sagte Lovey. Dass diese Erwartungen ausgesprochen wurden, bezeichnete er als positiv. Gleichzeitig gelte es aber zu beachten, dass die Synode kein Entscheidungsgremium sei, sondern «ein Konsultationsorgan des Papstes zu bestimmten Themen».

Das Thema der Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener hat nach Aussage Loveys grossen Raum in der Debatte der Synodenväter eingenommen, auch wenn es «vielleicht ohne eine direkte und eindeutige Antwort» geblieben sei. Wiederverheiratete Geschiedene seien als Getaufte «integraler Teil der Kirche», diese «positive Botschaft» habe auch der Papst immer wieder wiederholt. Gleichzeitig gebe es eine «gewisse Offenheit» für den Ortsbischof in der Begleitung betroffener Paare, die im Einzelfall auch bis zur Kommunionzulassung führen könne.

Pastoral für Homosexuelle: Wege «innerhalb der Doktrin» finden

Kein «grosses Thema» der Synode war nach Worten Loveys die Frage des Umgangs mit Homosexuellen. Auch hier habe die pastorale Sorge für die Begleitung im Vordergrund gestanden. Gleichzeitig sei betont worden, dass es etwa für die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe weder ein Fundament in der Bibel noch in der kirchlichen Lehrtradition habe. Homosexuelle verdienten «wie alle Menschen den vollen Respekt der Kirche ohne Verurteilungen», in der Pastoral gelte es, Wege zu finden, «die innerhalb der Doktrin» bleiben.

Die Arbeitsatmosphäre während des dreiwöchigen Bischofstreffens beschrieb der Sittener Bischof als offen und konstruktiv. Spannungen oder Lagerkämpfe, wie sie von Medien berichtet wurden, habe es «in der Synodenaula, den Gängen und den Sprachgruppen» nicht gegeben. Insbesondere in den Sprachgruppen habe es eine «offene Rede» und einen «regen Austausch» gegeben.

Vorbereitung von Paaren auf Ehe intensivieren

Lovey warnte gegenüber kath.ch vor der Erwartung von unmittelbaren Veränderungen. Dies sei nicht das primäre Ziel einer Synode. Als vorrangig bezeichnete der Schweizer die Umsetzung eines mehrstufigen Vorbereitungswegs für Paare im Blick auf die Ehe. Ein erster Schritt müsse bei Jugendlichen ansetzen und diese für das Thema sensibilisieren, ein mittelfristiger zweiter Schritt müsse in einer Katechese für Verlobte bestehen und schliesslich müsse es in einem dritten Schritt um die unmittelbare Vorbereitung der Eheschliessung gehen. Weiter sollten Paare nach Ansicht Loveys insbesondere in den ersten Jahren nach der Eheschliessung begleitet werden.