Kath Press

Von Kath Press Am

In Berichte aus dem Vatikan

Salzburg, 30.9.2015 (kath.ch) Ein hartes Ringen in der Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen erwartet der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner bei der am kommenden Sonntag beginnenden Weltbischofssynode zu Ehe und Familie in Rom. „Der theologische Gegensatz zwischen hoch besorgten Ideologen und einfühlsamen Hirten ist gross“, sagte er am Dienstag, 29. September, in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“.

Die Synodenteilnehmer aus der erstgenannten Gruppe würden in Bezug auf die Ehe die „Vertragsposition“ vertreten – mit dem Standpunkt: „Wir haben ein Gesetz, ein Eheband, das hat Gott geknüpft, der Mensch hat keinen Zugriff darauf.“ Dieses Eheband binde demnach die Verheirateten auch dann noch aneinander, wenn ihre Liebe tot ist. Zulehner dazu: „Das versteht aber auch theologisch heute niemand mehr, der das Ehesakrament von der personalen Liebe her entwirft.“

Kirche hat Fürsorgepflicht

Der renommierte Theologe und Werteforscher liess keinen Zweifel daran, welcher Position er selbst zuneigt: „Das Sakrament der Ehe lebt von der Liebe zwischen den beiden, von ihrer Verschworenheit. Wenn die Liebe zerbrochen ist, muss die Kirche darüber nachdenken, ob überhaupt noch eine Ehe vorhanden ist. Denn dann ist das, was das Sakrament ausmacht, gestorben.“ Die Kirche solle daher sagen, „wir sind keine Instanz zu richten und zu urteilen, sondern wenn etwas zerbrochen ist aus Schuld und Tragik, dann tut die Kirche gut daran, diese Menschen aufzufangen“. Sie solle danach trachten, dass es für die Betroffenen nach einer Scheidung, die ohnehin sehr viel Opfer und Trauer mit sich bringe, bestmöglich weitergehen kann – „zugunsten des getrennten Paares und vor allem auch der Kinder“.

Nach den Worten Zulehners hat die Kirche in dieser Hinsicht eine „Fürsorgepflicht“ für ihre Mitglieder. Wenn durch Schuld und Tragik eine Beziehung zu Ende geht, müsse die Kirche signalisieren, „ihr seid bei uns willkommene Mitglieder, und wir werden alles Erdenkliche tun, dass kein Hauch von Diskriminierung und öffentlicher Rufschädigung über euch fällt“. Das bedeute auch Teilnahme an der Kommunion, „denn die Kommunion ist keine Belohnung für die Würdigen, sondern ein Heilmittel für die Verwundeten“.

Ehe ist „Hochrisikolebensform“ geworden

Der Pastoraltheologe wies darauf hin, dass die Ehe „heute eine Hochrisikolebensform wie kaum je zuvor“ und die Verbindung zweier Menschen vielen Destabilisierungsfaktoren ausgesetzt sei. Als Beispiele nannte er die die hohe Mobilität, die auch Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten zueinander führe, aber auch wirtschaftliche Zwänge wie notwendige Erwerbsarbeit beider Ehepartner, wenn Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu versorgen sind. Das müsse auch bei der Synode in Rom stärker beachtet werden, sagte Zulehner. Sein Appell an die Bischöfe in Rom: „Schaut nicht nur auf die Opfer der Destabilisierung, sondern schaut auch auf die gesellschaftlichen Verhältnisse“.

Damit eine Beziehung eine bessere Chance bekommt, ist nach Überzeugung Zulehners eine Familienpolitik mit Augenmass ebenso erforderlich wie die Entlastung von Müttern und Vätern und pflegenden Angehörigen, wenn sie Beruf und Familie verbinden müssen. Die Kirche solle sich für mehr gesellschaftliche Prävention einsetzen, statt nur über das Zerbrechen der Beziehungen zu klagen. (kap)

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