Charles Martig

Von Charles Martig Am

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Zürich, 2.10.15 (kath.ch) An diesem Wochenende, 4. Oktober, beginnt im Vatikan die Bischofssynode zu Fragen über Ehe und Familie. Es ist ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus, dass die Kirchenvertreter aus der ganzen Welt diese Themen breit diskutieren. Was ist von dieser Synode zu erwarten? Ein Kommentar von Charles Martig.

Nach seiner Rückreise aus den USA befindet sich Papst Franziskus zwischen zwei wichtigen Ereignissen. Das Weltfamilientreffen in Philadelphia ist vorbei und die Familiensynode im Vatikan steht bevor. Philadelphia galt lange als Gradmesser für die Richtung, die Franziskus an der Familiensynode einschlagen will. Er hat nun die Rückreise genutzt, um einige Dinge klarzustellen.

Kommunion ist «keine Lösung»?

Bereits jetzt ist deutlich, dass er an der Synode eine breite Diskussion wünscht. Es geht nicht nur um die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Das sei eine Verengung der Diskussion und «keine Lösung», sagte Franziskus im Flugzeug vor Journalisten. Was hat er damit gemeint? Geht es darum, dass er Gläubigen, die ein zweites Mal heiraten, die Kommunion verbieten will? Wohl kaum. Es geht Franziskus darum, die Diskussion an der Familiensynode offen zu gestalten. Er macht bewusst, dass es eine Engführung wäre, nur über die Kommunionszulassung in diesem spezifischen Fall zu diskutieren. Es geht ihm vielmehr um eine breitere Wahrnehmung der Problemlagen. Zum Beispiel stellt er fest, dass viele junge Menschen gar nicht mehr heiraten wollen. Es fehlt ihnen häufig an Reife für die Ehe und an entsprechender Vorbereitung auf das Sakrament.

Taktisches Stellungsspiel

Das taktische Stellungsspiel kennt Franziskus sehr wohl. Er hält sich Angreifer vom Leibe: Die Neuregelung des Ehenichtigkeitsverfahrens sei keine „katholische Scheidung“, wie ihm kurienintern vorgeworfen wurde. Und beim Thema Frauenpriestertum stellt er sich klar hinter die Position von Johannes Paul II., der hier ein Machtwort gesprochen hat. Das Thema liegt ihm aber am Herzen: „In der Kirche sind die Frauen eigentlich viel wichtiger als die Männer, denn die Kirche ist weiblich (…) Ich muss zugeben, wir sind etwas verspätet mit einer Ausarbeitung einer Theologie der Frau, da müssen wir wirklich noch weiterkommen.“

Es sind keine Wunder zu erwarten

An der Familiensynode geht es um grundlegende Fragen der Neuausrichtung. Aber es sind keine Wunder zu erwarten. Im Vatikan treffen ab dem 4. Oktober verschiedene Interessen und Anliegen aufeinander. Diese müssen offen diskutiert werden. Was Papst Franziskus dann daraus macht, ist seine Sache. Geschickt hat er sich den Spielraum offen gehalten.

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