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Von KNA Am

In Berichte aus dem Vatikan

München, 7.4.16 (kath.ch) Die Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» sieht die am Freitag erscheinende Botschaft von Papst Franziskus zu Ehe und Familie als Nagelprobe für die Reformfähigkeit der Kirche. Man erhoffe sich von dem nachsynodalen Schreiben «Freude der Liebe» wegweisende Schritte, «die jahrhundertealte Fixierung der katholischen Lehre auf eine rechtlich rigorose Sexualmoral zu verändern», heisst es in einer Mitteilung von Donnerstag.

Es werde darauf ankommen, dass Bischöfe und Diözesen in aller Welt die von Franziskus gesetzten Grundlinien und Gestaltungsspielräume im jeweiligen kulturellen Kontext weiterführten. Dies entspräche dem Wunsch des Papstes nach Dezentralisierung.

Bei den wiederverheirateten Geschiedenen rechnet «Wir sind Kirche» nach eigenen Angaben zwar mit keiner generellen Zulassung der Betroffenen zu den Sakramenten. Man hoffe jedoch, Franziskus werde «die Tür für Einzelfallregelungen öffnen, deren angemessene Ausgestaltung dann in der Verantwortung der Bischofskonferenzen liegen wird». Dabei verweist die Laien-Initiative auf den Vorschlag der deutschsprachigen Gruppe bei der Familiensynode im Oktober 2015.

Erwartungen bezüglich Wiederverheiratete und Homosexuelle

Für wiederverheiratete Geschiedene hatten diese Synodenteilnehmer erklärt, dass künftig ein Priester als Beichtvater im Gespräch mit dem jeweils Betroffenen klären soll, ob nach der Schliessung einer weiteren Zivilehe «ein Zugang zu den Sakramenten möglich ist». In diesem Gespräch müsse die «objektive Situation» betrachtet werden. Dazu gehöre auch die Frage, wie es um den verlassenen Partner steht, und ob die neue Partnerschaft in der weiteren Familie oder in der Gemeinde Verletzungen oder Ärgernisse verursacht. Eine solche «ehrliche Besinnung» könne «das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemandem verweigert wird, der sein Versagen und seine Not vor Gott bringt».

In Bezug auf homosexuelle Menschen erwartet «Wir sind Kirche» von dem Schreiben, dass es über die bestehenden Aussagen im Katechismus hinausgeht. Demnach sollte ihnen mit «Achtung, Mitleid und Takt» begegnet werden. Aufgabe der Kirche in aller Welt müsse es allein vom christlichen Menschenbild her sein, sich «aktiv gegen jede Kriminalisierung und Diskriminierung dieser Menschen einzusetzen». (kna)